Ein Review von Valentin Schachinger

"Wieviel Einwohner hat diese Stadt?" fragte Lolita, die Tochter von Tito Larriva, als wir sie zum Frühstück ins Café Vogl kutschierten, wo der Rest der Crew schon auf sie wartete.
"Knappe 4000" gab ich ihr als Antwort. Zum Glück war ich hinter dem Steuer, sie hätte vermutlich auf diese Antwort die Handbremse angezogen und wäre davongelaufen. Aber auch ohne Notbremsung mitten am Stadtplatz erkannte ich ihre Angst. "4000 Einwohner? Das ist ja ein Dorf. Kommt da überhaupt jemand?". Ich grinste und war zum ersten Mal stolz auf unser Kaff.

Die ganze Crew hatte Angst - sie spielten am Vortag in Vorarlberg auf einer Halloween-Party. Auf einer Halloween Party? Ja, mit Gästen wie Graf Dracula, Micky Mouse und Kürbissen! Es waren zwar genug da, aber niemand konzentrierte sich auf das Konzert - vielleicht hatten sie aufgrund der Verkleidungen Angst vor sich selbst. Die Crew war nervös. Eine solch legendäre Band mit jahrelanger Erfahrung spielt nur ungern zwei Horror-Gigs hintereinander. Und Horror-Gig bedeutet, dass entweder zu Allerheiligen kaum Gäste aus dem 4000-Einwohner-Dorf kommen, wo kaum einer ein schönes Englisch spricht, oder diese - wie am Vortag zu Halloween - nach einigen Kürbiscocktails voller Angst davonlaufen. Die EF.K.K. - Crew war mindestens genauso ängstlich und nervös.

grabkerzen
Doch der EF.K.K. war für alle Situationen gewappnet - das Geheimrezept:

Grabkerzen!

"Wenn du glaubst es kommt kein-er,
dann führ sie mit ein paar Lichtlein her!
"

Wie sonst hätten die Gäste das schlecht beschriftete Bräuhaus im dunklen November finden können? Auch wenn es etwas makaber war, wir hätten uns etwas mehr schlechte Kritik dafür erwartet, immerhin war Allerheiligen. Dafür waren die Blicke unvergesslich, die Didi und mir an der Kasse im Supermarkt zugeworfen wurden.


Der Abend kam näher und näher - ich fühlte mich gestresst, obwohl es keinen Stress gab. Alle Vorbereitungen waren erledigt - und das verlässliche EF.K.K. - Team wusste was zu tun sei: auf die Gäste warten und ihnen einen unvergesslichen Abend bescheren. "Wir sind so deppert, wer geht denn zu Allerheiligen auf ein Konzert?", dachte ich, während mein Handy erneut klingelte. "Ja, es gibt noch ein paar Karten", erzählte ich dem noch unbekannten Anrufer aus Bayern, bevor ich einen weiteren Namen auf die Liste der reservierten Karten schrieb. Ja, es gibt noch ein paar Karten... Ich habe gelogen, denn es gab noch sehr viele Karten!

Als Tito Larriva endgültig im Bräuhaus ankam und ich dem Soundcheck lauschte - nachdem wir uns zur Begrüßung umarmten - kam ein Wurstigkeits-Gefühl in mir hoch. Egal, wer und wieviele Leute am Abend kommen, der Abend wird unvergesslich.

Die Zeit verging, und die ersten Gäste kamen... auch die nächsten ließen nicht lange auf sich warten. Es kamen mehr und mehr Gäste und plötzlich war der Parkplatz voll. Durchatmen, genießen und warten, dachte ich mir, während ich gestresst durch's Bräuhaus lief.

Durch die herausragende Vorarbeit von unserer "Hausband" THE VEINS wurde dem Publikum bereits zur frühen Stunde warm.
Ich besuchte "Tito und die tollkühne Crew" - auch bekannt als TITO & TARANTULA - im Backstage-Raum - wir alle waren beruhigt. Bevor wir uns einen Tequila gönnten, sprach Tito ein paar lobende Worte für die Vorband aus. Tequila - zack - weg - vielleicht war es Einbildung, aber der Tequila war verdammt gut.

Die letzte Nummer von THE VEINS - es wird ernst. Sie verlassen nach kräftigem Applaus die Bühne. Danke, ihr wart großartig!

tito

Nach einer kurzen Umbauphase betritt Tito die Bühne. Tito, ja genau dieser Tito, der im Kultfilm "From Dusk Till Dawn" - nach dem berühmten Schlangentanz von Salma Hayek - mit seiner Fleischgitarre im Titty Twister einheizt. Nach dem Konzert kam ein 30 jähriger Gast mit feuchten Augen zu mir und bedankte sich. Dieser war extra vom Burgenland angereist, weil er dachte, es spielt eine Tito & Tarantula-Coverband. Ein solcher Fan, der hunderte Kilometer wegen eines Coveracts reisen würde, war mindestens so erstaunt wie alle anderen 500 Gäste, als der echte Tito die Bühne betrat und sein Intro emotionsvoll präsentierte.

Da bekanntlich ein Bild mehr als tausende Worte sagt, gibt es im Anschluss einen Live-Auschnitt vom Song "After Dark" - gefilmt von Besucher Ernst Habringer. Diese wahnsinnige Stimmung könnte keiner in Worte fassen, außer George R. R. Martin, aber der ist momentan anderswertig beschäftigt.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Besuchern, Unterstützern und Künstlern bedanken, die diesen unvergesslichen Abend ermöglicht haben. Wir sehen uns bei der nächsten EFKK Veranstaltung!


 

Gib uns deinen Senf

Als Gast kommentieren

0
Nutzungsbedingungen.

Kommentare (3)